GlĂĽckliche Auswanderer-Familie vor ihrem roten Schwedenhaus.

Kimi und Rasmus: FamilienglĂĽck im Norden Schwedens

Mit zwei kleinen Kindern wagen Kimi und Rasmus im Sommer 2023 den Neuanfang im schwedischen Jämtland. Ihr neues Leben könnte sich kaum krasser von ihrer Zeit in Berlin unterscheiden. Doch für die beiden ist klar: Mit der richtigen Einstellung, einer realistischen Erwartungshaltung und einer großen Portion Mut wird die Auswanderung zum Erfolg. So Kimi, dann erzähl doch bitte mal, wie ihr an diesem wunderschönen Ort gelandet seid!

Wir kommen aus Berlin und haben dort unser bisheriges Leben verbracht. Bis vor ein paar Jahren hatten wir unser eigenes Unternehmen mit einem Geschäft in Berlin und einem großen Versandlager (auch in Berlin). Der Alltag war daher, mit teilweise 15 Angestellten, sehr stressig und zeitraubend. Leider mussten wir 2022 Insolvenz anmelden, wir haben uns von den coronabedingten Schließungen als Unternehmen nicht erholen können. 

In dieser Zeit kamen dann, nach und nach, unsere beiden Töchter auf die Welt und Rasmus konnte im IT- und im Marketing/E-Commerce Bereich  wieder Fuß fassen. 
Ich war in dieser Zeit dann in Elternzeit. Vor dem Unternehmen habe ich Agrarwissenschaften studiert und eine Ausbildung als tiermedizinische Fachangestellte abgeschlossen. 

Wir sind im August 2023 nach Schweden ausgewandert. Innerhalb von zwei Jahren waren wir fünf Mal nach Schweden gereist. Für uns war ab dem ersten Moment klar, dass wir, wenn der passende Moment da ist, nach Schweden ziehen wollen.  

Nicht jeder hat Verständnis für die Auswanderungspläne

Bis zum Tag der Abfahrt gab es viele Hürden zu bewältigen. Wir haben tiefgehende Unterstützung, aber auch Unverständnis erfahren. Beides aus dem engen Familienkreis. Dadurch hat sich aber unsere Überzeugung noch mehr gefestigt und als Familie hat es uns ungemein gestärkt. Zusammen an dem Ziel zu arbeiten und auch die schwersten Hürden zu überwinden. 
Wir haben dabei den Leitspruch gelebt: “Unsere kleine, neu gegründete Familie ist, was zählt!“  Der Großteil der Freunde und Familie hat uns auch so stark unterstützt und nicht nur emotionale Kraft gegeben, sondern helfende Hände gereicht und vieles umgesetzt, damit es für uns einfacher wird.

Zu den äußeren negativen wie positiven Einflüssen kamen auch die auftretenden Bedenken, wenn man in ein neues Land zieht. Wie wird der Winter, wie ist die Versorgung, was sind die bürokratischen Abläufe etc.  Außerdem war uns ein Anschluss an einen Kinderarzt/Krankenhaus, eine Schule mit Vorschule und Nachbarn, die im Notfall nicht zu weit weg wohnen, sehr wichtig.

Mieten oder kaufen? „Wir entschieden uns für ein Sicherheitsnetz“

Für uns war die Miete eines Bauernhofs interessanter als der Kauf einer Immobilie. Die Preise sind immer noch nicht mit den in Deutschland vergleichbar, aber seit 2 Jahren so gestiegen, dass wir zu dem Zeitpunkt mehr an einer Miete als an einem Kauf interessiert waren. Man kann es auch als Sicherheitsnetz sehen. Wir haben uns eine Region im Norden ausgesucht und wenn es dort, trotz der intensiven Vorbereitung, nicht passt, sind wir nicht an ein Eigenheim gebunden. Wir stehen mit unserem Vermieter in engem Kontakt und es gibt auch gemeinsame Pläne für den langfristigen Verbleib der Immobilie. 

Das Jämtland war nicht unsere erste Wahl. Unsere Wunschregion war der Westen von Dalarna. Doch das Angebot und die geführten Gespräche mit dem Vermieter waren so gut, dass wir uns am Ende für dieses Haus entschieden haben.  So sind wir über die Internetseite blocket.se an das Haus mit 25h Grundstück gekommen. 
Geplant ist es, in großen Teilen aus der Selbstversorgung zu leben. Wir wollen einen kleinen Hofshop haben und Stellplätze und Aktivitäten (Wandern, Angeltouren, Fototouren und mit etwas Glück Nordlicht-Übernachtungen) anbieten.

„Eine solche Herzlichkeit haben wir noch nicht erlebt“

Hier bei uns fällt vor allem die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft auf. Unsere nächsten und auch dauerhaften Nachbarn leben nur 100 Meter von uns entfernt. Die meisten anderen sind immer nur im Sommer hier oder über die Weihnachtstage. Wir wurden von Anfang an so herzlich begrüßt, wie es keinem von uns beiden bisher widerfahren ist. 
Nicht nur, dass wir mit Geschenken (Elchfleisch, Forellen und vielen Tipps) „überhäuft“ wurden, sondern es war ein ganz spezieller Moment, der uns so berührt hat. 

Dazu muss man kurz erklären, dass der Bauernhof und die Umgebung nicht im optimalen, eventuell erwarteten Zustand waren. Es war im Großen und Ganzen komplett zugewuchert und es lagen sehr viele Hinterlassenschaften herum.  Nachdem wir in den ersten vier Wochen nur damit beschäftigt waren, den Normalzustand herzustellen, war uns direkt bewusst, dass es zu zweit mit zwei Kleinkindern kaum zu schaffen ist. 

Herzerwärmend: der Zusammenhalt unter den Nachbarn

Wir mussten dann nach Östersund fahren, eine Fahrtstrecke von 3,5h pro Tour. Hier können wir größere Besorgungen erledigen. Meist verbinden wir die Einkaufstour dann mit einer Übernachtung und vielen Stopps, da wir die Kinder nicht zu sehr überfordern wollen. Als wir nun wieder nach Hause gekommen sind und an unserem Grundstück vorbeifahren, sind alle Nachbarn der Umgebung mit Maschinen vorbeigekommen, um uns zu überraschen und den Großteil der Flächen von Unkraut und hohen Gräsern zu befreien.  Sie haben erst einen Tag später mit uns gerechnet, aber die Überraschung ist natürlich trotzdem gelungen. 

Wir hatten auch in Berlin immer ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn, aber das hier ist ein richtiger Zusammenhalt. Dieser Zusammenhalt macht vieles einfacher und auch wir konnten schon mit einigen Kleinigkeiten aushelfen. 

Unsere Kommunikation ist in großen Teilen noch Englisch und immer mehr in schwedischer Sprache. Wir haben auch die Nachbarn darum gebeten, immer erst in schwedisch mit uns zu sprechen, bevor man ins Englische wechselt. Da die Sprache der deutschen sehr ähnelt, ist es daher nicht so schwer, die schwedische Sprache so weit zu lernen, dass man einfache Unterhaltungen führen kann. 

Mut und die richtige Einstellung sind der SchlĂĽssel zum GlĂĽck

Da wir bisher erst sehr kurz hier sind, überwiegen die positiven Ereignisse. Vieles ist eher eine reine Einstellungssache und Erwartungshaltung als das wir sagen würden, dass es etwas Negatives gab. Wir haben mit Absicht nicht die Nähe zu einer Stadt gesucht und uns daher auch darauf eingestellt. Trotzdem gibt es alles was wichtig ist, vor allem für die Kinder. Daher ist das Leben hier nicht immer zu vergleichen, wie man bisher gelebt hat. 

Wir beide haben in unserem Leben nach dem Prinzip „Mut haben“ gelebt. Das war auch bei der Umsetzung des Zieles Auswandern elementar wichtig. Deswegen haben wir uns nicht nur in der Planung aufgehalten und geträumt, sondern haben uns Ziele gesetzt, Vorhaben geplant und umgesetzt. Mut ist, was man bei den meisten Träumen im Leben benötigt, die zuerst unerreichbar erscheinen, aber das eigene Leben um so viel mehr bereichern können. 

Wenn man ehrlich zu sich ist, weiß man, was man vom Leben erwartet und was seine Wünsche sind. Mut ist das fehlende Puzzleteil zu diesem eigenen Glück.

 

Hier kannst du den Weg von Kimi, Rasmus und ihrer Familie mitverfolgen:

Video: Der erste Herbst in der neuen Heimat